Heiligabend

Es taucht auf, irgendwo in der Dunkelheit. Es regnet und heute morgen lag Nebel überm Land. Aber es taucht auf, das Fünkchen. Erst sehe ich es kaum und mehr ist es eine Ahnung. Dann durchfährt es mich, denn es ist wirklich. Ja, es ist ein Licht!

 

Es wird größer und ich fühle es näher. Warm strahlt es zu mir ab. Mein Brustkorb ist so warm wie vor einem Kaminfeuer. Mein Herz springt aufgeregt auf und ab. Das ist etwas großes und ich will es allen sagen. Meine Hände übernehmen die Worte für mich. 

 

Ich begreife das was ich erfahre. Taste es interessiert ab. Dazu finde ich Bilder und neue Begriffe und ich fühle mich genährt. Mein Geist bildet eine Großzügigkeit, die ist mir so noch nicht bekannt. Als stände ich in ständiger Bewegung und ein Ende ist davon nicht in Sicht. 

 

Reichhaltig ist dieses Erleben und etwas anderes ist nicht mehr zu verstehen. Ich mache ein paar Schritte. Der Tag ist hell und mich erwartet ein großes Fest. Es ist noch nicht zu Ende und es klingt weiter wie ein Lied. Doch ich trage es nicht, denn es geht für sich. 

 

Ich frage mich, wer ich darin bin. Alles ist so wie gestern. Das Fest kenne ich auch. Meine Erwartungen vom großen Neuen bestätigen sich nicht. Wir machen so weiter und es ist seltsam okay für mich. Ich finde es gut und gleite gelassen von Moment zu Moment.

 

Hier lachst du und da hat mich deine Empfindsamkeit berührt. Meine Seele liegt offen. Wir gehen einfach herein und wieder heraus und es ist nichts dabei. Es ist so einfach. Ich hatte immer an schwere Türen geglaubt. Jetzt sind es Schwingtore. Das bereitet mir Vergnügen. 

 

Wir lachen viel und mir ist warm ums Herz. Merkwürdig ist die Normalität, wenn die Hintertüre auf geht. Ich hatte mit Engeln gerechnet und jetzt erfüllt mich das was ist. So leise kommt es herein, einfach mitten im Trubel. Gestern war ich ärgerlich und heute auch nicht recht zufrieden.

 

Aber es erklingt und tut nicht was ich erwarte. Ich werde stiller und stiller. Lausche auf die Regentropfen. In meinem Körper ist die Stimmung wie ein Samenkorn. Dahin finde ich zurück. Von dort finde ich in die offene Welt. Jeder Schritt ist eine Haltung. Die Welt antwortet mir.

 

Und dieser Kreis und dieser Baum und diese Wiederholung. Die Vorfreude der Kinder, die Erwartung und der Jubel. Mich rührt es. Bewegung, Wellen heraus und herein. Und mein Blick gilt dem Licht, welches am Baum für mich brennt. 

 

Janika

 

Foto: Ronny Zeisberg

 

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