Unverständnis der Wichtigkeiten

Ich bin herum gelaufen. Ich hatte kein Ziel, aber Vorlieben. Nicht zu weit weg sollte der Weg führen und nicht an der Straße entlang. Ich folgte einem kleinen Weg durchs Landschaftsschutzgebiet. Zwei Kraniche schrieen im Wind. Die Sonne stand hoch und schien heiß auf meinen Kopf.

 

Ein Gewitter würde bald herunter kommen, aber nicht jetzt. Ich atmete laut aus. Mit meinem Körpergewicht trug ich auch meine seelischen Lasten. Irgendwie einen Kummer über die Einfachheit des Lebens. Als wäre nur das Besondere von Bedeutung.

 

Einfach nur gehen, sich umschauen und die Natur wirken lassen. Keiner sieht mich, niemanden interessiert es und keiner braucht diese Schritte, außer ich. Wie wichtig bin ich mir selbst? Kann ich mich ernst nehmen? Über mir spannte sich der Himmel mit seltsamen Wolkengebilden.

 

Nach einiger Zeit wollte ich mich setzen, auch in der Bewegung innehalten und ich hielt Ausschau nach einem Plätzchen. Es zog mich vom Weg ab zu einer großen Weide, die ich schon aus der Ferne gesehen hatte. Das der Ort bei ihr so schön sein sollte, hatte ich nicht erwartet.

 

Sie stand an einem kleinen Bachlauf. Ihre Wurzeln bildeten Sitzgelegenheiten von denen man aus die Füße ins Wasser baumeln lassen könnte. Ihre langen Äste tanzten im Wind und hinterließen Spuren im Wasser, wenn sie gelegentlich eintauchten.

 

Ich bin irgendwo hergekommen, um hier zu sein. Alles scheint so banal, aber zugleich unaussprechlich wichtig. Das ist wohl das Paradox des Lebens, dieser Schmerz über das Unverständnis der Wichtigkeiten. Ich setzte mich und lehnte mich zurück an den knorrigen Baum. 

 

Für mich bin ich und mit diesem Erleben verbunden. Vielleicht ist es ganz klein und nur im Moment. Mein Verstand greift Worte heraus, die zum Bewusstsein über das Empfinden führen. Mein Feld wird größer, doch das große Unverstandene bleibt ewig.

 

Vielleicht. Vielleicht werde ich mich auch eines Tages in Bewusstsein auflösen. Das brachte mich zum Lächeln und irgendwie zu einer Akzeptanz von dem Ganzen. Eine Leichtigkeit zog ein, die mich daran erinnerte wie Wissen spielerisch wachsen kann.

 

Ich ließ meine Füße nicht ins Wasser baumeln. Ein Landschaftsfotograf lenkte mich ab. Er grüßte verlegen als er mich so versunken unter der Weide entdeckte. Ich grüßte barsch zurück. Ich wollte meiner anerzogen Freundlichkeit nicht nachgeben, wenn ich nicht so empfand.

 

Er störte meine Kreise und das merkte er an meiner knappen Antwort. Er entzog sich, obwohl ich merkte, dass es ihm dieser Platz auch angetan hatte. Nun, ich war zuerst hier und archaisch bewachte ich diesen Ort, obwohl ich schon merkte, dass ich eigentlich weiterziehen wollte.

 

Mein Moment war schon gestört, der Gedanken dem ich nachhing, schon unterbrochen, aber ich tröstete mich damit, dass ich ihm den Platz nicht freigab. Das schaffte irgendwie Befriedigung. Ich wartete also bis er verschwunden war und verließ dann selbst den Ort.

 

So war wohl auch diese kurze Begegnung nicht von Bedeutung, oder doch? Wer weiß, was ich in ihm ausgelöst hatte. Vielleicht hatte meine Art in ihm irgendwas zum Wüten gebracht und nun war er bereit etwas zu verändern in seinem Leben. 

 

Vielleicht war dieser unwichtige Moment doch wichtig. Das ich darüber schreibe macht es für mich wichtig. Irgendwie ist so das Leben, voller Momente, tief und erfüllend, flach und unbefriedigend und vielleicht auch einfach nicht zu deuten. 

 

Janika

 

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