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Sitzen geblieben

Von hier nehme ich eine Idee, von dort eine andere. Ich sammele Bilder mit Zusammenhängen, die ich knüpfe. Da stehe ich zwischen aufgetürmten Geschichten. Ich laufe ein bisschen nach hier und ein bisschen nach dort, aber sie stehen überall. Wie Häuserschluchten und dazwischen kleine Straßen mit vielen Menschen, die Ideen sammeln. Alles ist verflochten. Eines führt zum Anderen und zurück.

 

Es ist eng geworden. Ich fühle mich im Zusammenhang. Laufe meine geplanten Wege. Meine Landkarte habe ich im Kopf. Abläufe. Straßen, zu dessen Seiten nichts ist, Wüste, aber hinten am Horizont thront ein Ziel. Ich laufe darauf zu, aber zu erreichen scheine ich es nicht. Oder doch? Aber da ist schon wieder ein neues Ziel. Weiter heißt die Prämisse.

 

Irgendwie werde ich schwer und langsam und müde. Meine Beine scheinen aus Blei. Mein ganzes Gewicht zieht mich nach unten, als scheint es „stopp“ zu sagen. Aber es ist so laut und bunt und verlockend. Ich schleppe mich. Vorwärts heißt es. Nicht stehen bleiben. Etwas weiß nicht, ob das so richtig ist, aber prüfen kann ich es auch nicht. Es gibt so viel zu tun. Ich habe keine Zeit.

 

Ich habe mich ausgerichtet. Wie ein Bogenschütze, der sein Ziel anvisiert. Treffen ist das drängende Bedürfnis. Genau ins Schwarze bitte. Was drum herum geschieht ist nicht so wichtig. Augen und Ohren auf Durchzug. Aber auf wen höre ich? Was ist das für ein Ziel? Worum geht es hier eigentlich? Ich habe gezögert, vielleicht habe ich etwas verpasst. Ich bin nicht schnell genug, nicht fleißig genug, nicht dran. Wer sagt das?

 

Heute Morgen bin ich sitzen geblieben und nichts ist passiert. Ich saß nur da und war schwer. Ich wollte nicht mehr, aber das war nicht schlimm, eher interessant. Da lief eine Menge ab. Aber ich habe nicht reagiert. Ich bin sitzen geblieben, wurde nicht versetzt. Nein, ich blieb an Ort und Stelle und es war gut. Da war Raum und Ruhe. Mein Körper hat geatmet und geseufzt.

 

Eine Weile und eine Lust diesem Gefühl im Innern Raum zu geben. Diesem Anhalten wollen. Diesem Stopp. Ich spüre meinen Rücken. Ich lehne mich an. Mein unterer Rücken dehnt sich nach unten hin aus, als bekäme ich Wurzeln. Ich spüre die Erde. Da und da und weg. Kurz ist dieses Gefühl im Frieden. Kurz koste ich es aus, bevor mich Bilder fangen. Aber ich will noch mehr, noch mehr von diesem Ankommen.

 

 

Warm und erleichternd. Ich sitze wie im Schwitzkasten bei meinem Vater. Eine unsichtbare Kraft hält mich an Ort und Stelle in dieser Bewegungslosigkeit. Ich tue nichts. Es gibt nichts zu tun. Ah, und ich kann das mehr und mehr genießen. Mich dort hinein fallen lassen. Sinken und sinken. Ja, es macht Freude und ich nehme Abstand zu all den Problemen. Es ist alles halb so wichtig. Jetzt ist sowieso nichts wichtig. Es ist alles gut!

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