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Wie ein roter Faden

Es gibt ihn! Er ist konstant und konkret. Er ist wie ein Lied das im Inneren klingt ohne dass es gesungen wird. Er ist präzise und eigen. Er ist natürlich und doch phänomenal. Der innere Weg verläuft, ob ich ihn sehe oder nicht. Er will sich fortsetzen immerzu.

 

Ich sehe ihn immer deutlicher. Spüre, wie er sich durch meinen Körper ergibt. Er spricht zu mir durch meinen Körper. Ich kann ihn empfinden und ihm folgen, ihm Raum schaffen. Er formt mich.

 

Ich will ihm nicht mehr im Weg stehen. Mein Unglück ist zu groß geworden. Ihn aufhalten verbraucht zu viel Kraft. Ich lasse meine Pläne los, so gut es geht. Er ist deutlicher geworden. Ich beginne seinen Sinn zu begreifen.

 

Er ist wie ein roter Faden in meinem Leben. Er zieht sich so durch. Er ist eine Spur. Ich folge ihr in allem was ich tue. Immer ist dieses körperliche Empfinden da. Ich kann immer dorthin lauschen und warten, was von dort aufsteigt.

 

Ich muss mir nichts mehr ausdenken, muss nicht mehr mit klugen Ideen und angesammeltem Wissen Antworten geben. Ich kann spüren was für einen Weg es nimmt. Wie es sich sammelt und ballt um sich mir erkenntlich zu zeigen.

 

So halte ich inne und versuche es zu erfassen. Es verdichtet sich und da taucht ein Wort auf, eine Geste, ein Ton, ein Strich oder irgendein anderes Symbol. Ein Atmen folgt als Vergnügen erkannt zu sein. Oft gefolgt von Erleichterung.

 

In allem gibt es diesen Weg. Manchmal scheint er blockiert, angestaut, gestockt in bestimmten Bereichen. Wie als würde ihm etwas fehlen, um sich fortsetzen zu können. Was braucht er, um sich zu vollziehen? Was kann ich ihm geben?

 

Ich weiß es nicht, aber er. Er weiß genau was er braucht. Ich stehe ihm gegenüber und er erschafft sich das was fehlt. Er kann es sich einfach wiederholen, kann sich einfach vervollständigen. Er strebt danach und ich kann ihn mit meiner Zuwendung unterstützen.

 

Er ist genau und braucht seine Zeit. Ja, er hat Recht. Ich versuche nicht mehr ihn von etwas zu überzeugen. Ich höre auf es besser zu wissen. Eine Weisheit wird mein Begleiter, wenn ich mich auf ihn einlasse. Ich komme ins Staunen.

 

Das Leben macht Sinn. Es scheint sich zu fügen, eins zum anderen. Desto klarer er wird, desto lauter klingt meine Berufung. Ich weiß was ich tue. Zugleich ist der Aufprall auf lang aufgebaute Strukturen härter. Sie wollen aufgelöst werden.

 

So vieles will zerbrochen werden, um sich von innen neu zusammen zu setzen. Unterwegs will die Struktur geboren werden und nicht von außen errichtet. Es ist schmerzhaft mich zwischen den Strukturen gefangen zu fühlen, wenn ich ihren Sinn nicht mehr spüren kann.

 

Aber er macht mir Hoffnung, denn er endet nicht. Irgendwas ist immer unterwegs. Ich forsche mich so durch, beobachte und erinnere mich so oft ich kann an das, was unter der Oberfläche geschieht. Und dann teil ich es dir mit, um mich zu verbinden.

 

Janika

 

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