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Es endet nicht

Es endet nicht. Es hört nicht auf. Es geht tiefer. Das ist nicht über unsere herkömmliche Wahrnehmung zu erfassen. Wir müssen auf etwas zugreifen, was das Ganze erfährt. Auf ein Empfinden welches die Wahrnehmung enthält, aber mehr ist als diese.

 

Hier ist nicht Schluss, es geht weiter. Wenn ein Gefühl von einem nicht weiter kommen da ist, dann ist es die Schwelle zum Erleben. Da wo es aufhört, fängt es eigentlich erst an spannend zu werden. Dort wo etwas fehlt, liegt der Übergang zu allem.

 

Erleben: Einfach, weit, tief, frei, präzise. Darin stehe ich atmend und sehe mich in meiner Kultur. Beides zugleich. Ich bin Erleben und Kultur. Manchmal stehe ich mit der Kultur am Ende. Mit ihr lässt es sich nicht weiterdenken und dann ist da Erleben.

 

Ich stehe am Rand und das ist okay. Nicht wissen wie es weiter geht, denn da ist mehr. Noch nicht zu benennen, aber schon zu erleben. Hier mit meinem Körper kann ich es erfassen. Ich ahne es noch nur, aber ich bleibe dabei und folge dem in die Veränderung.

 

Worte, Gesten, Töne, ich zeichne Umrisse von dem Empfinden. Es wird genauer. Ich prüfe und gleiche ab. Ich treffe nicht, aber ich erweitere. Es ist schon ein Bild davon, aber es ist auch weniger als das und in eine Richtung auch mehr.

 

Ich entdecke Freiheit im Erleben. Kultur ist so begrenzt. Meine Prägung ist formgebend, von hier aus betrachte ich die Welt. Jeder betrachtet von seinem Punkt die Welt. Wir haben viele Punkte und diese Punkte gehen gegeneinander vor.

 

Aussteigen aus der Betrachtung von meiner Prägung. Umsteigen in etwas, das auch noch da ist. Nichts muss weg, alles kann bleiben, aber ich nehme noch etwas mit hinzu. Mein Körpererleben. Von hier aus entwickelt sich der nächste Schritt.

 

Es ist schon alles da. Hier ist kein Ende, nur meine Lust kann enden mich darauf einzulassen. Ich bin Forscherin. Ich tauche ins Nochnichtgeformte, Nichtseparierte. Dieses Entdecken ist so erfrischend und nährend. Ich bin satt von dem was ich kenne.

 

Erschreckend, wenn da diese Leere ist. So groß und sprachlos. Ein dunkles Dröhnen. In der Mitte meiner Brust, Freude. Ein aufatmen. Sehr viel wohlwollen. Es wird warm. Ich lächele. Es ist einfach gut. Es ist genug, ohne dass es sich einer Wertung unterzog.

 

Wie aus einer anderen Zeit. Ich spüre Weisheit. Rieche den Geruch von alten Büchern. Eine Bibliothek. Ein alter, dunkler Holztisch. Eine Kerze. Eine Frau in ihrer Kraft. Eine kluge und in sich ruhende.

 

Sie studiert, nimmt Standpunkte hinzu und gleicht sie mit ihrem Empfinden ab. Sie wächst. Sie verweilt über den Büchern, wechselt zwischen Geist und Erleben ab. Für sie ist es natürlich mitzudenken. Jedes Buch bekommt Flügel und Wurzeln.

 

Ich verlasse ihr Bild, genieße ihre Stimmung als ganzes und nehme etwas davon mit in diese Welt, meine Kultur und darüber hinaus. Ich fühle mich bereichert. Wenn ich will kann ich zurückkehren und mir etwas von ihrem Flair holen.

 

Es wird anders sein, vielleicht. Es wird wieder neu entstehen. Wird lauter, stiller, zäher, flüssiger, klarer oder dichter sein. Ich werde das suchen, was ich noch nicht weiß. Werde über die Schwelle gehen. Jetzt oder später.  

 

Janika

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