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Abstrakter und konkreter Ausdruck

Ich erlebe in mir, wenn es mich nach Ausdruck verlangt, zwei unterschiedliche Bedürfnisse. Mal spüre ich, da will sich überhaupt etwas ausdrücken, sich einfach veräußern, sichtbar werden und mal fühlt es sich so drängend an, dass es nicht nur heraus will, sondern sich auch soweit konkretisieren möchte, dass es verständlich wird.

Ich finde meinen Ausdruck also manchmal in Strichen, Flächen und abstrakten Formen in der Malerei, in Tönen und Geräuschen mit der Stimme und in freien, nicht stilistischen Bewegungen vom Körper ausgehend. Auch, wenn es mich dabei einfach überhaupt nach Ausdruck verlangt, will das innere Empfinden trotzdem getroffen werden, der Ausdruck soll mit dem inneren Empfinden übereinstimmen. Dabei geht es nicht darum, dass ich verstehe, was ich da tue, die Handlung selbst ist die Befriedigung. Innerhalb dieser Freiheiten muss ich sehr achtsam sein, dass ich mich nicht in der Beliebigkeit der abstrakten Formen verliere und der Bezug zu meinem inneren Empfinden bestehen bleibt. 

Beim konkreten Ausdruck treibt es mich von da an weiter, um den Ausdruck greifbarer zu machen, es will sich soweit formulieren, dass ich damit auch etwas anfangen kann. Dafür sucht es, gebündelt, konkretisiert und auf den Punkt gebracht zu werden. Hierfür hilft es mir, Worte zu benutzen, oder Formen, die schon mit einer bestimmten Bedeutung verknüpft, und dadurch leichter zu verstehen sind. Doch muss ich dabei aufpassen, dass ich die Formen, die schon mit einer bestimmten Bedeutung verknüpft sind, nur als Mittel benutze, um meinem eigenen inneren Empfinden, meiner eigenen Bedeutung Ausdruck zu verleihen und mich nicht dazu verleiten lasse, meine Bedeutung der schon bestimmten Bedeutung unterordne. Also ich kann zwar in der Malerei das Bild der Sonne benutzen, Lieder singen, Charaktere verkörpern, aber nur, wenn meine eigene empfundene Bedeutung dadurch hervor sprechen kann. Ein wenig ist es wie der Unterschied zwischen dem Komponisten und dem Interpreten. Der Komponist sucht seine eigene Weise zu finden und der Interpret gibt eine schon bestehende wieder. Allerdings schafft es ein guter Interpret nicht hinter der schon vorgegebenen Form zurückzubleiben. 

Also beinhaltet der abstrakte und der konkrete Ausdruck auch, dass es Formen gibt, die ohne offensichtliche Bedeutung sind und Formen, hinter denen schon eine Bedeutung steht. Auch hält beides uns dazu an, präsent im Ausdruck zu bleiben, um bei der Abstraktion nicht beliebig zu werden und beim Konkretisieren uns nicht der Trägheit zu übergeben und unsere eigene empfundene Bedeutung hinter der schon bestimmten Bedeutung zurückzulassen. Das Wichtigste bleibt wohl, im Ausdruck überhaupt in Übereinstimmung mit dem inneren Empfinden zu sein und dann kann, je nach Bedürfnis, sowohl der abstrakte, als auch der konkreten Ausdruck dafür passend sein.

Janika

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