Kunst? Oh, ja, Kunst! Ein Update

 

Hallo ihr alle,

 

es ist schon eine seltsame Zeit gerade. Seltsam, weil sich alles auf eine Art zu entwickeln scheint, und gleichzeitig ein Gefühl von Stagnation, von Blockaden, von "wo soll das bloß hinführen" in mir ist.

Was gibts Neues? 

Ich bin jetzt 30, wir "haben jetzt Instagram", unsere Homepage hat ein neues Design bekommen, es gibt ganz viele Ideen und Pläne und Vorhaben und ich weiß gerade garnicht, wohin das alles überhaupt führt.

Ja ich weiß, man soll Geduld haben, man soll einfach nur "ins Machen kommen", nicht soviel nachdenken, Gas geben.

Und ich verstehe das, vertrete selbst diese Konzepte wenn mich Schüler diese Dinge fragen, habe das Gefühl ich hab das ja alles schon durchschaut und bin da durch, bin schon woanders, bin schlauer als mein Leben. Ich kenne Krishnamurti, Eckard Tolle, Osho, Gabrielle Roth, Kurs in Wundern, und wie sie alle heißen und ich bin einfach nur Philip, ein großer Künstler unserer Zeit und gleichzeitig weiß ich gar nicht ob das, was ich tue, einen Sinn hat für irgendjemanden, oder ob ich überhaupt existiere. Geschweige denn, ob auch das überhaupt jemanden interessiert.

Es scheint immer dieser Kampf in mir zu rattern. Zum Einen bei mir selbst sein, mich spüren, was für mich tun, an mich glauben, weiter gehen, Ruhe, Haltung, Atmen, Loslassen, Geschehen lassen.

Und dann tobt da ein Kind, ein Wesen, ein Rumpelstilzchen. Der will nichts, außer Anerkennung, Lob, Respekt, am Besten noch Ruhm und Geld oben drauf, berühmt sein, geil sein, der Beste, Größte, Stärkste, Geliebteste, der mit den meisten Followern, Fans, Anhängern.

Schrecklich ist das, ich verurteile den auch. Früher in der Klinik hat mir mal jemand gesagt das seien Anzeichen für Narzismus. Sich selbst über Andere stellen, selbstverliebt sein, in den Spiegel sehen und sich verehren. Klingt eigentlich garnicht so schlimm. Und ich finds doch schlimm, verwerflich geradezu, ekelhaft und ich will, dass diese Seite, und die ist nicht mal so groß, trotzdem, niemand darf die kennen oder auch nur erahnen und ich muss diese Seite loswerden, darf mich da nicht zu lange im Spiegel anschauen, darf mir nicht vorstellen, dass Leute mich toll finden, weil das ist narzistisch und falsch und hässlich und wahrscheinlich heutzutage sogar ganz normal.

 

Gut, diese sich scheinbar gegenüberliegenden Seiten verwirren mich zutiefst, schieben mich immer wieder in das Eine, dann wieder das Andere. Den einen Moment bin ich total ich selbst, fühle mich stark, klar, unaufhaltsam, besonders, schön, schlank, schlau, kreativ, ja ich explodiere fast vor Kreativität, Können und Selbstbewusstsein. 

Und dann kippt das. Ich fühle mich 120 kg schwer, alles tut mir weh, Gelenke, Muskeln, Bauch, Gedanken. Ich schwimme herum, in dieser Welt, die nicht meine zu sein scheint, suche irgendetwas, was mir Halt gibt, woran ich mich festhalten oder worin ich mich verstecken könnte, was aber trotzdem "etwas bringt", denn zu diesem Wesenszustand gehört auch ein ständiges Getriebensein, ein Nicht-zur-Ruhe-kommen-dürfen, ein teilweise echt abstruses "ständig-weiter-gehen-müssen", wohin auch immer. Selbst schlafen hat da seinen Sinn, ich ruhe mich aus für Größeres. Meine Güte.

 

Eine wichtige Frage: Was will ich als Künstler eigentlich? 

 

Ein Beispiel:

Wozu male ich dieses Bild (singe ich dieses Lied, performe ich, schreibe ich, etc.)?

Entweder: Das soll gut aussehen, das soll Likes bekommen, das soll ästhetisch sein, das soll begeistern. Spektakulär, wunderschön, außergewöhnlich, etwas Besonderes.

 

oder

 

Das soll aus mir kommen, das soll ein Ausdruck meiner Seele, meines Wesens sein, das soll unbeeindruckt von Außen sich entfalten, eine Form annehmen, die von nichts vorgegeben ist, die aus sich selbst entsteht?

Natürlich will ich alles für mich tun, denn alles, was ich für das Außen tue (für Anerkennung etc) hat ja am Ende garnichts mit mir zu tun oder mit dem, womit ich mich beschäftige. 

 

Klar, ich will das Letztere, denn alles Andere ist Schrott.

Alles Andere ist leer, dumm, kalt, schwach, umsonst, sinnlos, bescheuert halt. 

 

Dafür brauche ich dann einen Spagat zwischen der Welt und meinem inneren Ausdruck, oder wie?

Zwischen dem, was passiert, wenn alles ruhig ist und ich mich traue in diese Leere zu gehen und etwas entstehen zu lassen, und dieser Welt die laut ist, bunt, voller Illusion, aber auch Farben, Menschen, Konzepten (die sind nicht nur schlecht, ich mach ja auch grad eins), so schnell und hektisch oft, voller Eindrücke. 

Oder wie geht das beides zusammen? In Finnland oder Kanada in der Einöde wohnen (das wäre ein Traum) und halt nur über das Internet verbunden sein mit der "Zivilisation"?

Von dort auch alles machen, malen, Musik, Performance und alles über das Internet in die Welt geben und dann sollen die halt damit machen was sie wollen. 

Gut, könnte man machen. Und dann hier alles abbrechen, die Zelte abbauen? Wir haben es eigentlich so schön hier, eine große Wohnung (könnte größer sein), in einer tollen Gegend (ohne Natur), mit netten Leuten um uns herum (stimmt), und Bewegungsräumen mit im Haus (stimmt auch und ist großartig).

Dafür ist der Schmerz noch nicht groß genug wie es aussieht. Erst wenn er das wird, bewegt sich was, bricht etwas auf. Na gut. Dann eben hier weiter, aber nun nochmal: Wohin denn eigentlich? Vielleicht abwarten, mal hier was tun, mal dort was tun, bis nichts mehr geht und wieder wirklich etwas geht? 

 

Also, in mir herrscht Verwirrung. So beginnt dieses Jahr, wobei das schon im Dezember begonnen hat. Da dachte ich noch, das wäre im Januar ja dann vorbei.

Ich sage immer zu Janika: "In 5 Jahren schauen wir auf diese Zeit zurück und werden lachen und sagen: Weißt du noch, wie verwirrend diese Zeit war?". Daran glaube ich wirklich, ging mir zumindest bisher immer so, wenn ich 5 Jahre in die Vergangenheit gedacht habe, dann dachte ich "Ach Mensch, war das ein Drama, gut, dass ich jetzt schlauer bin". Das macht Mut. Aushalten kann ich's trotzdem nicht so richtig.

 

Phili