Lebensart

 

Woher nehme ich die Zeit nicht zu tun was mich befreit?

Wem wohl stehle ich die Zeit, beim Leben in blinder Alltäglichkeit?

 

Wieso habe ich den Raum nicht für mich für den fremden Traum?

Was bekomme ich im Tausch für ein Leben fortwährend im Erhaltungsrausch?

 

Woher nehme ich die Kraft nicht zu tun was mir Freude macht?

Wie kann etwas Zierde sein, was Leben erschöpft und erstickt im Keim?

 

Als wäre ein Stillleben nur Dekoration,

das einfache Leben hinter dem Mond,

die Eintagsfliege eine Provokation

und Erlösung schlussendlich wäre einzig der Tod.

 

Als wäre die Liebe eine Lösung auf Zeit,

eine Lunge, die nichts atmet außer Besonderheit.

Als ob Freiheit nur nicht hinter Gittern liegt

und Erholung nur gilt, wenn die Arbeit viel wiegt.

Als ob Eigensinn nicht zur Frage steht

und Selbstbezug nur für Egoisten geht.

Als wäre Lebenszeit mit Geld zu verrechnen

und kostbar die eigene Zeit zu blechen.

                                                                    JaniPhil 2014


Frei

 

Komm, gib mir deine Hand,

wir drehen jetzt um.

Ich weiß, auch du hast große Angst,

doch schau herum.

Nichts ist so wirklich,

wie es uns scheint,

ist es für uns möglich,

dass nichts so bleibt?

Los, es gibt Wege

entgegen dem Strom,

stimmt wir sind träge,

doch das waren wir immer schon.

Auf, wir drehen uns um auf drei,

wenn man stirbt, dann ist man frei, frei, frei, frei.


Komm, gib mir deine Hand,

wir gehen drauf zu.

Ich weiß, auch du siehst nur ne Wand

und die ist tabu.

Schau mal, ich sprühe

ne Tür für uns drauf,

die geht ohne Mühe

und ohne Schlüssel auf.

Los, was soll die Warterei,

wenn man stirbt, dann ist man frei, frei, frei, frei.

Wir gehen zu Grunde
und drehen keine weitere Runde.
Wir sehen ein,
sterbend ins Lebendigsein.


Komm, gib mir deine Hand,

wir fallen da durch

Kopfüber durch den Widerstand,

durchs Raster der Furcht.

 

Wir gehen zu Grunde
und drehen keine weitere Runde.
Wir sehen ein,
sterbend ins Lebendigsein.

 

Frei.

       JaniPhil 2014


Die Atmosphäre

 

In Windeseile flieht sie
an mir vorbei im Flug
Graugrüne Streifen zieht sie entlang
den Weg der mich trug

Im fahlen Licht vergeht sie
Ich habe sie nicht erfasst
Was ich weiß versteht sich von selbst
zu fühlen hab ich verpasst

 

Die Atmosphäre der Lebenskraft
den Atem der Landschaft

Im Rauschen der Welt steh ich
doch in mir ruhe ich nicht
Quietschende Reifen auf nassem Asphalt
spiegelt sich das Bremslicht
Immer noch nicht im Stillstand
Ich bin mir meiner nicht klar
Erschreckend lang hält der Bremsweg an
Nur langsam nehm ich sie wahr

 

Die Atmosphäre der Lebenskraft
den Atem der Landschaft


In Bindfäden fällt der Regen
Ich atme diesen Moment
Sie ist in mir oder ich bin in ihr
und sie spricht zu mir permanent

Ihre Worte sind Berge und Wälder
das bist du und ich und das Licht
Wie ich sie lesen kann komm ich bei mir an
Ihre Wirkung verändert mich

 

Die Atmosphäre der Lebenskraft
den Atem der Landschaft

                                                        JaniPhil 2016